Jugendschutz bei ProSiebenSat.1 PULS 4

Die EU‐Richtlinie 2018/1808 zur Änderung der Mediendienste‐Richtlinie 2010/13 weitet das bisher für Fernsehveranstalter verbindliche System zum Schutz Minderjähriger vor entwicklungsbeeinträchtigenden audiovisuellen Inhalten auf Anbieter von Abrufdiensten und teilweise auf Video‐Sharing‐Plattformen aus. Das bestehende Schutzsystem wird um die Anforderung ergänzt, Zuseher:innen ausreichende Informationen zur Beurteilung der potenziellen Schädlichkeit von Inhalten für Minderjährige zur Verfügung zu stellen. Durch Änderungen des Audiovisuelle Mediendienste‐Gesetzes (v.a. § 39 und §§ 54d, e AMD‐G), des ORFGesetzes (§ 10a ORF‐G) und des KommAustria‐Gesetzes (§§ 32a, b KOG) trägt der österreichische Gesetzgeber den Anforderungen der EU‐Richtlinie Rechnung. In Erfüllung dieser gesetzlichen Kennzeichnungsverpflichtung wird der Schutz Minderjähriger auf den Sendern und Abrufdiensten der ProSiebenSat.1 PULS 4 durch die im Folgenden kurz dargestellten Mechanismen sichergestellt.

1) Sendezeitgrenzen

Um sicherzustellen, dass potentiell entwicklungsbeeinträchtigende Programminhalte von den zu schützenden Minderjährigen üblicherweise nicht wahrgenommen werden können, wird der Schutz Minderjähriger zunächst durch die Wahl der Sendezeit sichergestellt. Unterschieden werden die im Folgenden kurz dargestellten Sendezeitgrenzen, diese gelten sowohl für die im TV ausgestrahlten Sendungen als auch für die online abrufbaren Inhalte:

  • Tagesprogramm 6 bis 20 Uhr: Während des Tages ist das ausgestrahlte Programm kinder‐ bzw. jugendgerecht zu gestalten. Es werden daher nur Sendungen ausgestrahlt, die für Kinder und Jugendliche bis 12 Jahre oder, soweit das Wohl jünger Minderjähriger dem nicht entgegensteht, im Einzelfall ab 12 Jahren (jedoch nicht ab 16 Jahren) geeignet sind. Für Sendungen mit einer Alterseinstufung ab 12 Jahren besteht in dieser Zeitzone eine Kennzeichnungspflicht (kennzeichnungspflichtige Sendung).
  • Hauptabendprogramm 20 bis 22 Uhr: Während des Hauptabendprogramms werden Sendungen mit einer Alterseinstufung ab 12 Jahren oder darunter oder, soweit das Wohl jüngerer Minderjähriger

              dem nicht entgegensteht, im Einzelfall ab 16 Jahren (jedoch nicht ab 18 Jahren) ausgestrahlt. Für Sendungen mit einer Alterseinstufung ab 16 Jahren besteht eine  Kennzeichnungspflicht       (kennzeichnungspflichtige Sendung).

  • Spätabendprogramm 22 bis 23 Uhr: Während des Spätabendprogramms werden Sendungen mit einer Alterseinstufung ab 16 Jahren mit Kennzeichnung (kennzeichnungspflichtige Sendung) oder darunter ausgestrahlt.
  • Nachtprogramm 23 bis 6 Uhr: Während des Nachprogramms können Sendungen aller Alterseinstufungen ausgestrahlt werden. Für Sendungen mit einer Alterseinstufung ab 16 oder ab 18 Jahren besteht eine Kennzeichnungspflicht (kennzeichnungspflichtige Sendung).

 

2) Altershinweis – Inhalte mit Kennzeichnung 12+, 16+ und 18+

Kennzeichnungspflichtige Sendungen werden mit einem Hinweis auf die für die folgende Sendung empfohlene Altersstufe versehen. Der Altershinweis erfolgt im TV zu Sendungsbeginn und besteht aus einem leicht und deutlich verständlichen Hinweis auf die für die beginnende Sendung empfohlene Altersstufe, wobei folgende Altersstufen gekennzeichnet werden: 12+, 16+ und 18+. Der Altershinweis bei Abrufdiensten ist ein optischer Hinweis auf die empfohlene Altersstufe, die inhaltliche Ausgestaltung orientiert sich an den für TV geltenden Grundsätzen. Die einzelnen Altersstufen werden im Folgenden kurz näher erklärt:

  • Altersstufe „ab 12“ – für Minderjährige ab 12 Jahren geeignet:

Minderjährige ab 12 Jahren nehmen Inhalte in der Regel im Gesamtzusammenhang wahr und können einzelne Szenen in den Kontext des Gesamtinhalts einordnen und allenfalls für sich relativieren. Sie sind aufgrund ihrer Medienerfahrung in der Lage, kognitive Distanz zu ängstigenden Medieninhalten zu entwickeln, sofern diese nicht zu nah an ihrer Lebenswelt, zu drastisch oder zu eindringlich dargestellt werden. Die Bewertung von Einzelszenen rückt in den Hintergrund, während die Gesamtaussage des Inhaltsangebots und mögliche desorientierende oder gewaltbefürwortende Tendenzen in den Vordergrund rücken.

Minderjährige in diesem Alter besitzen bereits relativ gefestigte Verhaltensgrundmuster und Einstellungen, die nicht ohne Weiteres durch Medieninhalte veränderbar sind. Eine einseitige Orientierung an Figuren und Handlungsmustern ist daher wenig wahrscheinlich. Im Zuge der Pubertät gewinnen ideologische Perspektiven und Vorbilder, die Bildung und Etablierung der eigenen Geschlechts‐ und Genderidentität und die Abgrenzung der eigenen Gruppe gegenüber anderen an Bedeutung, denn die Jugendlichen lösen sich allmählich vom Elternhaus und sind für alternative Wertvorstellungen und Lebensweisen empfänglich.

Neben der Gesamtaussage eines Angebots sollte bei dieser Altersgruppe daher ein besonderes Augenmerk auf (Teil‐)Angebote gerichtet werden, die gewaltbefürwortende oder sozialethisch desorientierende Verhaltensweisen befürworten. Insgesamt bedarf es eines Hinterfragens der im Inhaltsangebot vermittelten Botschaften und deren Wirkung auf diese Altersgruppe.

 

  • Altersstufe „ab 16“ – für Minderjährige ab 16 Jahren geeignet:

Bei Jugendlichen dieser Altersgruppe kann man von einer relativ hohen Medienkompetenz ausgehen.

Minderjährige ab 16 Jahren verfügen iaR bereits über eine gefestigte Werteorientierung, die es ihnen ermöglicht, sich auch mit problematischen Medieninhalten kritisch auseinanderzusetzen.

Diese Altersgruppe kann auch drastischere Darstellungen von Gewalt im Kontext des Angebots oder Genres verarbeiten, sofern das Angebot nicht in seiner Gesamttendenz Gewalt als Mittel der Konfliktlösung propagiert.

Neben der Gesamtaussage ist die Ausgestaltung und Jugendaffinität der Darstellung zu berücksichtigen. So ist davon auszugehen, dass Jugendliche in diesem Alter von Angeboten, deren Spannung wesentlich auf der Darstellung expliziter Gewalt beruht, hinsichtlich ihrer Wahrnehmung von realer Gewalt desensibilisiert werden können. Die Ästhetisierung von extremer Gewalt kann insbesondere in Verbindung mit für Jugendliche attraktiven Verhaltensmodellen eine Gewaltfaszination verstärken.

Desorientierende Inhalte und Passagen können von Minderjährigen dieses Alters vor dem Hintergrund des eigenen Wertehorizontes reflektiert werden, sofern das Angebot nicht in seiner Gesamttendenz

gesellschaftliche Grundwerte in Frage stellt.

Audiovisuelle Inhalte, die einzelne Gruppen diskriminieren, Sexualität in einem menschenverachtenden Kontext darstellen, einem partnerschaftlichen Rollenverhältnis der Geschlechter entgegenstehen, vor allem aber Gewalt tendenziell verherrlichen, sind für diese Altersstufe ungeeignet.

 

  • Altersstufe „ab 18“ – nicht für Minderjährige geeignet:

Audiovisuelle Inhaltsangebote, die eine Vielzahl von detailliert geschilderten Gewaltszenen oder diskriminierenden Aussagen aneinanderreihen, ohne diese zu relativieren oder zu kommentieren, oder die

Grausamkeiten selbstzweckhaft und/oder detailliert darstellen, oder die Gewalt als Mittel der Konfliktlösung propagieren, sind für Jugendliche ungeeignet.

 

3) Gefährdungshinweis – Kennzeichnung der Inhalte mit „Sex“, „Angst“, „Gewalt“ oder „Desorientierung“

Kennzeichnungspflichtige Inhalte werden zusätzlich zum Altershinweis 12+, 16+ oder 18+ mit mindestens einem Gefährdungshinweis der 4 Kategorien Sex, Angst, Gewalt oder Desorientierung gekennzeichnet. Mithilfe dieser zusätzlichen Angabe werden Beeinträchtigungen oder Gefährdungen angegeben, die von diesem ausgestrahlten Medieninhalt ausgehen. Die 4 Kategorien werden im Folgenden kurz näher dargestellt:

  • Gewalt: Ein hohes Risiko geht von Inhalten aus, die Gewalt darstellen bzw. thematisieren und die den Einsatz von physischer Gewalt als Mittel, Konflikte zu lösen oder Interessen durchzusetzen, nicht

              ablehnen, sondern legitimieren.

  • Angst: Ein ebenfalls hohes Risiko geht von Inhalten aus, die physische oder psychische Gewalt oder Bedrohungen beinhalten oder die Menschen als Opfer von Unfällen oder Katastrophen

              darstellen, da diese Inhalte bei Kindern anhaltende und nicht oder schwer zu verarbeitende Ängste auslösen können.

  • Desorientierung: Ein hohes Risiko ist auch bei Inhalteangeboten anzunehmen, die Einstellungen und Verhaltensweisen, die in Widerspruch zu den allgemeinen Grundhaltungen und Grundwerten der

              Gesellschaft in Österreich stehen, als normal und akzeptiert darstellen, wie z.B. antisoziales Verhalten, sexuelle Gewalt, Kriegsverherrlichung, gesellschaftliche Abwertung udgl.

  • Sex: Es ist nicht Aufgabe des Minderjährigenschutzes, Kinder oder Jugendliche vor Darstellungen von Sexualität zu bewahren; vielmehr geht es darum, zu prüfen, ob ein konkretes Inhalteangebot geeignet ist, Einstellungen oder Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen der entsprechenden Altersgruppen nachhaltig zu beeinflussen.“